Samstag, 9. Juni 2012

Blognachtrag: Zwischen Koalas auf Arbeitssuche

…und schon wieder ist eine beachtliche Zeit hier am anderen Ende der Welt vergangen, in welcher wir unzählige schöne Momente und immer wieder überraschende Situationen erlebten.
Doch nun nehmen wir euch erst einmal wieder auf eine kleine Zeitreise mit. Es war an einem warmen, sonnigen Montag…
…als wir unsere Reise von Geelong nach Apollo Bay an der Küste des Pazifiks fortsetzten. Montag, der 30. Januar 2012.
Nachdem wir unser „Zelt“ abgebaut und vollgetankt hatten, starteten wir unsere Fahrt weiter Richtung Südwesten. Schon bald konnte man große Schilder mit der Aufschrift der berühmten GREAT OCEAN ROAD lesen…und schwuppsdiwupps waren wir auch schon drauf. Wunderschöne Aussichten, blaue Buchten, Sandstrände, einsame riesige Felsen im Meer, weiße Wellenkronen…das Panorama war wirklich streckenweise atemberaubend!

Cape Bridgewater

ein großer Fels in der Brandung^^

ein Panorama zum Genießen!


Irgendwo auf dem Weg machten wir einen Stop an einem herrlichen Strand mit ganz feinem weißem Sand und grasbewachsenen Dünen. Ich (=LisaJ) ging gleich einer meiner großen Leidenschaften nach und sammelte ein paar Muscheln. Ein plötzlicher Platzregen scheuchte uns dann zurück ins Auto und unsere Fahrt ging weiter. Je näher wir Apollo Bay kamen, desto rauer wurde das Wetter. Es wehte ein starker Wind und Regenwolken, welche sich öfter mal schlagartig entluden, zogen über unserem Blechdach entlang. Wir hatten uns einen ganz besonderen Campingplatz ausgesucht: den BIMBI PARK. Dieser liegt 20km von der Stadt entfernt mitten im Cape-Otway-National Park. Schon bald umgaben uns Redgum-Trees von der Größe von Urwaldbäumen. Riesige saftgrüne Farne standen am Straßenrand…man fühlte sich wie im Dschungel. Und als wir endlich ankamen, begrüßten uns gleich die ersten wildlebenden Koalas, die dort überall in den Bäumen herumsitzenJ Wirklich richtig zum Knuddeln, diese Fellknäuel! Nun waren wir also endlich mal mitten in der Natur, weitab von der Zivilisation, mitten unter Koalas und…im Funkloch. :P


bald sind wir da!


Koalamama mit Kind


dicke Flauschkugel

auf dem Great Ocean Walk

Wanderung mit Ozeanblick


der Bimbibeach

am Ziel angekommen

was guckst du?!
Die nächsten zwei Tage dort verbrachten wir mit mehreren kurzen und einer längeren Wanderung auf dem GREAT OCEAN WALK entlang verwundener Sandwege inmitten von wild wucherdem Grün entlang der Küste. Mitten im Busch stolperten wir auf einmal über einen alten geheimnisvollen Friedhof, der irgendwie so plötzlich auftauchte, dass wir dann sehr verwundert über diese skurrile Begebenheit fassungslos dastanden. Wenn jemand einen Krimi schreibt, würde er sich bestimmt diesen Ort aussuchen, um die richtige Atmosphäre zu haben^^


sogar Friedhöfe sind in Australien was besonderes

Nach drei Tagen „Zelten unter Koalas“ fuhren wir am Donnerstag weiter nach Portland, der Geburtsstadt von Queen Victoria. Auf dem Weg dahin füllten wir unser Was-man-in-Australien-unbedingt-gemacht-haben-muss-Konto um eine weitere Attraktion auf: Wir haben die Twelve Apostels gesehen! Atemberaubende Aussicht und wirklich genauso schön wie auf all den Fotos ;)


ein paar von den Twelve Apostels


einsamer Apostle


eine verirrte Wuschelraupe auf dem Parkplatz

Unser neues Zuhause auf Zeit, der Claremont Portland Tourist Park, stellte sich als ein sehr schönes Fleckchen heraus. Vorallem die riesige Campküche war ein großer Vorteil, da wir einerseits dadurch Gas für unseren kleinen Gasherd sparten und nebenbei auch comfortabler kochen und essen konnten.
Am nächsten Tag machten wir eine Erkundungstour durch den Ort. Wir waren am Leuchtturm (der wirklich klein ist, schaut euch mal an, wie groß ich neben dem bin!), am Hafen, am Sandstrand und in einem Ramschladen. Dort fanden wir etwas sehr sehr Nützliches: einen Sandwichmaker für nur 10 Dollar. Erwies uns bisher schon gute DiensteJ Und wenigstens gab es dort preiswerte Supermärkte (unter anderem ALDI) und sogar schon wieder ein Mc Donalds, ein Subway, ein KFC und unzählige kleinere Fastfoodläden…die Australier scheinen das Zeugs ja regelrecht zu inhalieren.


Portland Strand und Hafen

Minileuchtturm


hier brauchen die Bäume nicht nach der Sonne streben...


Bimmelbahn


auf Bummeltour entdeckt und für gut befunden :)

Während der folgenden Tage widmeten wir uns wieder mehr dem eigentlichen Grund, weshalb wir eigentlich nach Portland gekommen waren: der lieben Arbeit. An der Hotline hatten sie Max ja erzählt, dass es ab dem 6. Februar in Portland Weintrauben zu ernten gäbe und wir uns einfach am 4. noch mal melden sollten, um die Telefonnummer des Farmers zu bekommen. Leider stellte sich dann heraus, dass dieser Farmer erstens ewig weit von Portland weg und auch schon seit einigen Tagen voll besetzt war und keine Leute mehr suchte. Obwohl wir bereits am 3. Februar angerufen hatten…naja. Auch auf der örtlichen Rosen- und Erdbeerfarm gab es keine Arbeit. Die Suche im Internet verlief ebenfalls erfolglos, sodass wir letztendlich einfach mal in der Touristeninformation nachfragten. Dort gab man uns die Adressen von drei Arbeitsvermittlungsagenturen im Ort, welche wir dann auch nacheinander abklapperten. Eine davon händigte uns eine Liste mit allen wichtigen Saisonarbeitgebern in der Region aus, die wir dann auch wiederum erfolglos durchtelefonierten. Die zweite stellte sich als eine Art Arbeitsamt heraus und konnte uns deswegen natürlich auch nicht weiterhelfen. Doch bei der dritten gab man uns eine Telefonnummer einer weiteren Vermittlungsagentur in South Australia. Die wiederum gaben uns die Nummer eines Farmers dort, den wir auch gleich anriefen. Das klang erstmal alles ein wenig zweifelhaft und er sagte, wir sollten Ende der Woche nochmal anrufen.
So vergingen die nächsten Tage. Wir waren viel im Ort spazieren und drehten einmal eine Runde durch den kleinen aber feinen Botanischen Garten von Portland. Auch eine größere Wanderung stand wieder auf dem Plan: Entlang des GREAT SOUTH WEST WALK wollten wir eigentlich bis zum Cape Nelson laufen, doch da der Wanderweg einen ungelogen RIESENumweg entlang der Küste macht, sind wir dann nach zweieinhalb Stunden auf halbem Wege wieder umgekehrt. Aber das Laufen an sich war wunderbar…der Weg ist echt idyllisch und bietet einige atemberaubende Ausblicke auf die Küste und den Ozean. Unterwegs haben wir sogar eine große Schlange, eine kleine Schlange und zwei Echidnas und die einzige auf dem Festland lebende Gannets-Kolonie Australiens gesehen…aber keine Angst, die große Schlange wurde schon vor uns von drei Australiern verscheucht J


die einzige auf dem Festland lebende Gannet - Kolonie Australiens


ein wildes Echidna


ein pinker Kakadu

Am Freitag, also pünktlich Ende der Woche, rief ich den Farmer aus South Australia noch einmal an und…TADAAAAAAAAA: er hatte Arbeit für uns! In Penola würden wir also demnächst Weintrauben pflücken könnenJJJ Wir freuten uns wie die Honigkuchenpferde und zur Feier des Tages holten wir uns eine Snackbox mit Chickenwings und Pommes von Kentucky Fried Chicken. Lecker ;)
Schon am nächsten Tag machten wir uns auf den Weg nach Penola. Unterwegs schauten wir uns aber erst einmal noch den Leuchtturm von Cape Nelson an. Wenn schon nicht zu Fuß, dann eben auf Rädern ^^ Gegen 16 Uhr kamen wir schließlich auf dem Campingplatz Penola an, welcher schon nicht mehr so schön war wie der in Portland. Klos uns Duschen voller Insekten und keine Küche…also hieß es ab jetzt: Geschirr abwaschen im Klowaschbecken :P
Zur Sicherheit riefen wir nochmal den Farmer an, der uns Arbeit „versprochen“ hatte. Er bestellte uns am Sonntag um 18 Uhr zu sich, um uns Einiges zu erzählen. Also stapften wir kurz davor Richtung Farm. Gemäß australischer Entfernungen war die wieder einmal unerwartet weit weg (Google Maps ist auch nicht immer der zuverlässigste Begleiter), doch mit Stechschritt schafften wir es dann doch noch rechtzeitig. Chris, so hieß unser neuer Arbeitgeber, schaute uns an, als wären wir irre, als wir sagten, wir wären zu Fuß gekommen. Dazu muss man sagen, dass Australier etwas lauffaul sind und so weit wie möglich alle Strecken mit dem Auto fahren.
Er erklärte uns also erst einmal, wie unsere Arbeit so aussehen würde und bestellte uns für Montagmorgen 6:30 Uhr zu sich. Na dann mal los;)

rote Weintrauben

...und hier hängse dran
Unser erster Arbeitstag begann mit dem Ausfüllen dutzender Formulare. Dann bekamen wir Handschuhe und eine Art Heckenschere, die wir selbst bezahlen mussten, und danach ging es  in einer Autokolonne auf eine Farm in der Nähe. Dazu muss erklärt werden, dass wir dort nicht auf nur einer einzigen Farm gearbeitet hatten, sondern unser Chef hatte sozusagen eine Agentur, die uns Arbeiter auf die Weinfarmen in der Umgebung schickte. Die Besitzer dieser Farmen bezahlten ihn also für die Dienstleistung „Arbeitskräfte stellen“.
Ein Nachteil an der Sache: Wir alle mussten mit unseren eigenen Autos fahren, einmal sogar 100km hin und zurück, ohne auch nur einen Cent Fahrgeld zu bekommen.
Und leider wurde die erste Woche noch nicht gepickt. Das Picken, also Pflücken der Trauben, wird stündlich bezahlt. Das, was wir vorher machten (Thinning: eine Art Selektieren. Man läuft durch die Reihen und sammelt z.B. grüne Trauben raus oder Ähnliches) wurde nach Leistung bezahlt. Pro Weinpflanze gab es 5-15 cent und auf einer Reihe stehen durchschnittlich wohl so 300-400 Pflanzen. Kann sich ja jeder ausrechnen, dass man dabei nicht reich wird, wenn man seine Arbeit ordentlich machen soll. Da kommt man beim Picken mit 19,20$ Brutto die Stunde schon etwas besser weg.
Also begnügten wir uns die erste Woche mit dem mühsamen und schlecht bezahlten Auslesen der unerwünschten Beeren. Diese Arbeit war körperlich nicht ganz so anstrengend wie das Aprikosenpflücken, doch dafür hat der Kopf mehr zu tun. Man muss die ganze Zeit konzentriert sein, sonst lässt man die Hälfte an schlechtem Zeug hängen und darf die Reihe nochmal machen. Am Ende des Arbeitstages waren wir deshalb trotzdem immer ziemlich ausgelaugt und wann immer es ging machten wir eine Mittagstunde, insofern das im brutzelwarmen Auto möglich war …:P
Am Freitag waren wir in Mount Gambier, der nächsten großen Stadt 50km südlich von Penola. Anlässlich unseres einjährigen Jubiläums JJJJJJ wollten wir eigentlich ins Kino gehen und danach gemütlich essen, doch die Preise schockten uns so sehr, dass wir letztendlich das Kino blieben ließen, stattdessen an den BLUE LAKE (dieser See ist wirklich richtig richtig blau!!!!!) fuhren und uns im Coles die Sachen für ein gutes Abendbrot zu Hause zusammenkauften. Wir wollten nämlich eigentlich Indisch essen gehen, also haben wir uns auch was Indisches gekochtJ Viel preiswerter und mindestens genauso lecker.

unterwegs
Das Wochenende verbrachten wir mit Ausschlafen, Wäsche waschen und Bummeln in der Stadt. Die ist zwar klein, hat aber ein paar schnucklige Läden. So zum Beispiel einen wunderschönen Antiquitätenladen, der sogar uns zwei ansonsten nicht so Altkram liebende Menschen in seinen Bann zog. Den Rest unserer Zeit chillten wir auf dem Campingplatz und natürlich war wieder Skypen mit zu Hause angesagt J
Huhn im Garten


ein Mucklahaus als Briefkasten


Mähschäpsl


Sonnengruß


der hat zuviel Sonne abgekriegt

bei uns sinds die Gartenzwerge...


so schützt man sich hier vor Einbrechern

am Straßenrand


die Rose ist doppelt so groß wie Lisa^^


Am Montag ging das Picking los.
Nur leider ohne uns.
Denn unser Auto wollte nicht anspringen. Und nach ewigen Versuchen war dann die Batterie fast runter. Wir riefen Chris an, dass wir es nicht pünktlich schaffen würden, und er sagte, dann sollten wir heut zu Hause bleiben, denn sie können nicht auf uns warten.
Niedergeschlagen und ratlos standen wir dann erst einmal eine Weile vor unserem Auto und räumten es schließlich wieder um, damit wir noch ein Weilchen schlafen konnten. Später halfen uns unsere Nachbarn, das Auto wieder in Gang zu bekommen und nach einer kleinen Batterieaufladerunde in den nächsten Ort funktionierte alles wieder normal.
Dienstag dann haben wir wieder gearbeitet. Nur leider war der Tag nach nur einer Stunde Picken zu Ende. Deshalb verabredeten wir uns mit Michael und Melanie, einem anderen sehr netten deutsch Pärchen, das wir auf Arbeit kennengelernt hatten, um noch ein bisschen Kultur zu machen und zu den Naracoorte Caves zu fahren. Dort schauten wir uns einen nachgebildeten Urwald an und liefen durch die WET CAVE. War sehr interessant und endlich mal wieder was Anderes. Den Tag ließen wir dann zu viert gemütlich am öffentlichen Schwimmbad von Naracoorte ausklingen und quatschten noch ein Weilchen, bevor wir zurück nach Penola fuhren.


Palmen in den Wet Caves


auch Melli und Micha staunen

Mittwoch arbeiteten wir dann schon ganze 4,5 Stunden. Max schlitzte sich aus Versehen mit der Schere den rechten Daumen auf und es blutete ziemlich, aber glücklicherweise hatte Henry (unser Vizechef) gleich fünf Pflaster für ihn paratJ So gings dann einigermaßen mit dem Weiterpflücken.
Am Donnerstag dasselbe, wieder nur 4,5 Stunden Arbeit. Danach trafen wir uns mit Micha und Melli am Pool von Penola (auch öffentlich und kostenlos), um ins Wasser zu hupfen und noch ein bisschen zu plaudern.
Freitag war dann 11:30 Uhr Feierabend. Wir spazierten noch durch die Stadt und fanden einen wundervollen Eisladen, in dem man doch echt noch Eis (und nicht wenig!!!!!!) für 1,80$ bekommt!!! Und schmecken tut das auch wunderbar. Mittlerweile sind wir dort schon Stammgäste;)
Samstag nun hatte mein lieber Max GeburtstagJJJ Wir sind schon zeitig aufgestanden, damit Max skypen und ich im Supermarkt noch was Kleines holen konnte. Dann bereitete ich im Auto sein Geschenk vor (hab das Auto mit Kalenderlandschaftsbildern verschönert, außerdem bekam er Schokomuffins mit Kerzen zum Auspusten und ein paar andere KleinigkeitenJ) und holte ihn dann zum „Auspacken“ rein. Wie das eben so ist, wenn man Geburtstag hat;)
Dann haben wir uns für diesen Tag noch was ganz Besonderes vorgenommen: PENOLARAYA.
Das ist eine Art Fantasie-Miniaturpark, den ein älterer Australier aus leidenschaftlicher Überzeugung, wie man so schön sagt, im Laufe der Jahre aufgebaut hat. Drinnen und draußen kann man unendlich viel entdecken; man findet Figuren und Geschichten aus der Kindheit und aus Fantasiesagen und Legenden wieder und wenn man sich nur drauf einlässt, dann tritt man ein wie in eine andere Welt. Der Besitzer ist auch ein kleiner Schauspieler, eben wie ein bisschen verrückt. Aber ich glaub, das muss man auch sein, wenn man so etwas auf die Beine stellt. Manche würden es vielleicht kitschig nennen, doch es ist wirklich einzigartig und die ganze Mühe und Arbeit, die dahinter steckt, ist gigantisch. Wir haben sogar noch ein Rätsel mitgemacht und dann von der Fee des Zauberlandes eine Überraschung bekommen: ein kleines Süßkramtütchen ;););)
Sehr speziell, aber ein Erlebnis wert.
Die nächste Woche sah mit der Arbeit ziemlich mau aus. Montag und Dienstag mussten wir wieder für schlechtes Geld auslesen und da waren Reihen dabei, die sechs(!!!!!!) Stunden dauerten. Mittwoch wurde wieder gepickt, doch nur 4 Stunden. Donnerstag drei Stunden. Doch an diesem Tag wurden Fotos zu Werbezwecken gemacht und da ich auch mit drauf war, wurden wir abends als Dankeschön auf ein paar Flaschen Wein, Käse und Cracker zu Chris eingeladen. Dort saßen wir dann alle gemütlich beisammen, quatschten und genossen den handgepickten Wein.
Freitag war keine Arbeit für uns da. Wir haben einen ruhigen gemacht und waren ein bisschen in der Stadt herumschlendern.
Am Wochenende wollten wir eigentlich nach Mount Gambier, denn wir hatten gehört, dass die Bücherei dort kostenlos Fahrräder ausleiht und da ihr mich Fahrradverrückte ja kennt^^ war das natürlich keine Frage, dass wie dieses Angebot wahrnehmen wollten. Nur leider regnete es den ganzen Tag durch. Also radelten wir nicht, sondern beschränkten unseren Aufenthalt dort auf bummeln und einkaufen. War aber auch schön.
Und am Sonntag fanden wir bei einem Spaziergang durch den Ort ein altes Cottage. Dort kann man unentgeltlich rein, sich das alte Anwesen aus dem 19.Jahrhundert anschauen und auch den Kräutergarten bewundern. Wie man möchte kann man sogar Kräuter, Blumen und Früchte, die dort auf einem Tisch liegen, gegen einen fairen Preis für die Cottagekasse mitnehmen. Ein wunderschöner Garten mit herrlichen Kräutern! Schnittlauch, Dill, Petersilie, Maggikraut, Zitronenmelisse, Petersilie, Lavendel, Salbei, Zitronen, Feigen, Tomaten, Paprika, Zwiebeln, Kartoffeln, Äpfel…alles erntefrisch!!!!! Dieses Cottage besuchten wir während unseres Aufenthaltes in Penola noch einige Male, weil es einfach so schön ist.

Cottage Lane


Tor zum Garten des Sharam Cottage


die Beete


frisches Gemüse zum Mitnehmen

beim Kräuterpflücken


im Cottage

Montag und Dienstag gab es ebenfalls keine Arbeit, wie wir am Sonntag erfuhren. So entschlossen wir kurzerhand, nach Mount Gambier zu fahren. Dort haben wir es endlich geschafft, meine Westpac-Kreditkarte aktiviert zu bekommen und einen PIN gibt es nun ebenfalls. Nach drei Anläufen hatte die Karte ja nun ein Vierteljahr nach Kontoaktivierung in Sydney letztendlich ihren Weg in meine Hände gefunden. Im Supermarkt probierten wir sie dann gleich mal aus…klappte alles einwandfreiJ Wieder was erledigt.
Dienstag kribbelte es uns in den Zehenspitzen und wir rafften uns auf, mal wieder ein Stückchen joggen zu gehen. Nach einer halben Stunde durch den Ort rennen war dann aber auch genug und am nachmittag fuhren wir zu Micha und Melli ins Woolshed (eine Art Backpackerhostel 10 km aus dem Ort raus in der Pampa), um ein bisschen Billard zu spielen und gemeinsam zu kochen. Die Küche wurde mit einem Mal knackevoll, weil dann auch alle anderen Hostelbewohner (überwiegend Arbeitskollegen von uns^^) nach und nach Hunger bekamen und um die Kochplatten wuselten. Unser Nudel-Schinken-Auflauf war wirklich lecker, zumal es Spaß machte, mal wieder mit etwas anderem als den kleinen Gaskocher zu kochen ;) Nachdem wir noch ein Weilchen gemütlich zusammensaßen, machten wir uns schließlich nicht zu spät auf den Weg zurück zum Campingplatz, denn morgen mussten wir ja wieder früh raus. Doch leider entpuppte sich der Mittwoch wiedermal als ein ziemlich schlechter Arbeitstag: es wurde ausgelesen und schon kurz vorm Mittag war Schluss. Als wir an unserem vorübergehenden Domizil ankamen, wedelte Elodie (eine französische Backpackerin, die auch mit uns arbeitete) die neueste Ausgabe einer Lokalzeitung in der Luft herum und – zeigte grinsend auf das riesengroße Foto da drin, auf dem man mich beim Picken sehen konnte.

Lisa in der australischen Zeitung


Ach du meine Güte!!!... wer konnte ahnen, dass dieser Paparazzi, der ein paar Tage zuvor bei der Arbeit alle möglichen Picker geknipst und interviewt hat, gerade ein Bild von mir da reinstellt…?! Das bescherte mir noch einige Tage lang auf Arbeit lustige und nicht ernst zu nehmende Kommentare…^^ Auch einige andere Picker waren auf der großen Doppelseite mit abgebildet, doch leider keiner so groß wie ich. Hm.
Den nächsten Tag hatten wir dann trotz des sehr kurzen Arbeitstages noch was Tolles: Die Chefin der Farm schenkte jedem einzelnen Picker eine Flasche hauseigenen Rotwein. Cabernet Sauvignon von 2006. Während unsere französischen Kollegen gleich sämtliche Flaschen auf dem Heimweg am Supermarkt leerten, entschloss ich mich dazu, meine mit nach Hause zu nehmen für meine lieben weintrinkenden Eltern J

unsere Belohnung


Nach einem ebenso kurzen freitäglichen Arbeitstag verbrachten wir den Samstag damit, auf der Wiese des Campingplatzes ein wenig rumzusporteln und verdamperten uns die Zeit mit einem kurzen Crashkurs im Standardtanz, den Max mir unentgeltlich gabJ Was man nicht alles so macht, wenn man Langeweile hat in einem kleinen Nest namens Penola.
Doch der Sonntag sollte ganz und gar nicht langweilig werden. Da bekamen wir nämlich beide fast einen Herzinfarkt, als unser Auto quasi unter unserem Hintern in voller Fahrt „explodierte“…
Wir waren mal wieder auf dem Weg nach Mount Gambier, ein weiterer Versuch, Fahrrad zu fahren, als plötzlich bei voller Fahrt das Gas weg war und es augenblicklich jämmerlich knallte. Sofort fuhren wir links ran und rannten erstmal ein paar Meter vom Auto weg. Wer weiß, was auf Gas noch so alles passieren konnte…?
Wir trauten uns nicht, das Auto nochmal zu starten. Nicht, dass uns der Motor noch irgendwie um die Ohren flog. Ratlos standen wir erst einmal eine Weile da, dann versuchten wir, einige Nummern anzurufen, die uns vielleicht weiterhelfen konnten. Leider hatten wir aber keinen Empfang dort zwischen weiten Feldern und RedGumTrees. Und noch mehr Ratlosigkeit.
Irgendwann kam jemand aus einer nahen Einfahrt herausgefahren und fragte, ob wir das waren, bei denen es geknallt hat. Der hatte das ein paar 100 Meter weiter weg in seinem Haus gehört! Leider wusste er auch keinen Rat. Sonntags hat kein Mechaniker auf und anmachen wollten wir unser WALLABY ja nicht mehr freiwillig. Er bot uns an, uns bis nach Penola zurück mitzunehmen, doch wir konnten ja nicht einfach unser Alles-was-wir-haben dort mitten in der Pampa stehen lassen, schließlich mussten wir ja auch noch irgendwo schlafen! Also ließen wir ihn weiterziehen und blieben dort stehen. Einige Zeit später hielt ein Ehepaar mit einem weißen Transporter neben uns an und fragte, ob alles in Ordnung sei. Nach einem verzweifelten „No, not really…“ unsererseits stieg der bärtige typisch australisch aussehende Mann aus und ließ sich von uns erzählen, was das Problem ist. Er war früher Mechaniker gewesen und wollte da für uns mal nachschauen. Ohne zu zögern startete er unser Auto, welches auch ohne Weiteres sofort ansprang. Nur klang es auf einmal wie ein kleiner Panzer. Nach einigen weiteren Untersuchungen erklärte er uns, dass sich wohl mit der Zeit zu viel Luft im „Gaskanal“ angesammelt hatte und es dann aus irgendwelchen physikalischen Gründen, die Max sicherlich besser erklären könnte^^, nach hinten mit Karacho rausgepfeffert kam. „Backfire“ nennt man das hierzulande. Wie gewaltig dieses Karacho war, verdeutlichte sich uns schmerzlich, als wir unter das Auto schauten und die aufgerissene MuffleBox entdeckten. Das Ding hatte es förmlich aufgesprengt, deswegen auch dieser Riesenknall. Tja, wie es aussah, brauchten wir also einen neuen Auspuff. Unser Retter, der Mick hieß, bot uns schließlich an, diesen für uns zu besorgen und einzubauen und lud uns gleich noch auf ein Bierchen ein. Ein paar Tage später dann war alles wieder in Ordnung und Wallaby sieht jetzt von unten wieder richtig neu aus ;) Nur teuer war der ganze Spaß trotzdem. 200$ weg für ne Sache, die nicht unbedingt sein musste.

das WAR der Vorschalldämpfer


Doch eine Entschädigung bekamen wir schon einen Tag später. Wieder einmal waren wir auf dem Cottage und da kam Jill (die Besitzerin eines kleinen Ladens, in welchem wir ein paar Wochen zuvor mal vorbeigeschaut und mit ihr gequatscht hatten) auf uns zu und fragte uns, ob wir immernoch auf dem Caravan Park standen. Sie kenne da nämlich jemanden, eine Frau, die zufällig auch Jill heißt und  zwei kleine Ferienwohnungen direkt neben dem Campingplatz hat. Soweit sie wisse, seien die gerade nicht belegt und wenn wir wollten, sollten wir doch mal nachfragen. Sei bestimmt schöner als der Zeltplatz.

Jill's VIntage

Wir bedankten uns für den Tipp und machten uns noch an dem Tag auf die Suche nach der besagten Jill. Gleich beim ersten Klingeln erwischten wir sie und erklärten, weshalb wir hier waren und fragten. Sie erzählte uns, dass ihr Vater den Campingplatz damals ins Leben gerufen hat und seit der neue Eigentümer da sei wären die Preise in die Höhe gegangen und das Niveau gesunken. Wir könnten in eine Wohnung bis Ostern, dann hätte sie Gäste. Bei der Frage nach dem Preis, die wir noch an der Tür stellten, freuten wir uns erst einmal schon riesig: es würde nicht mehr kosten als auf dem Campingplatz! Als sie uns dann die Wohnung zeigte, blieb uns endgültig der Mund offen stehen. Richtig groß, mit zwei Schlafzimmern(!) und himmlischen Betten, einem Bad mit Dusche und Badewanne, mit Waschmaschine, Wohnzimmer und Knautschsofa und Fernseher und Kamin und Schreibtisch und großer Küche mit allem Equipment (wenn auch alt, aber wunderbar!) und Carport und einem wunderschönen Gemeinschaftsraum mit Anlage…
Es war wie Weihnachten!!! Wir konnten unser Glück nicht fassen. Für das gleiche Geld würden wir jetzt bald ein richtiges Bett, ein ordentliches Bad, eine tolle Küche, sogar ein Wohnzimmer mit Fernseher haben und unsere Wäsche würden wir auch umsonst waschen können…! Wie ein Traum. Schon am nächsten Tag zogen wir mit Sack und Pack ein. Die erste Nacht seit Monaten in einem richtigen Bett war so erholsam wie ein dreiwöchiger Urlaub. Und an den Tomaten, die im Garten wuchsen, durfte ich mich auch bedienen J Ein Riesenglück. Unsere erste gemeinsame Wohnung ;)

Küche...

...Bad...


BETT!!!


Die Tage vergingen so mit Arbeiten, duschen, spazieren, einkaufen, kochen, essen, ausruhen und schlafen im wunderbar weichen Bett. Es kehrte das ein, was man irgendwann „Alltag“ nennt.